Sing ein neues Lied
von Mark Swinney
Aus dem Christian Science Sentinel vom 11. Dezember 2006
Ich kannte einmal einen Hund, der im Haus ständig zwischen zwei Türen hin und her lief, wenn sein Herrchen nicht da war. Offensichtlich war er so in Sorge wegen der Trennung, dass er fast in Trance verfiel. Ich beobachtete den armen Hund, wie er so gedankenlos hin und her rannte, hin und her. Und wann immer möglich, versuchte ich mit ihm zu spielen, um ihn abzulenken. Das half allerdings nur für kurze Zeit, denn bald wandte er sich wieder seinem mechanischen Gerenne zu. Herrchen kam immer zurück, aber das Benehmen des Hundes änderte sich nie.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie die Menschen sich manchmal einfangen lassen durch tranceähnliche Gedankenwiederholungen? Ich hörte einmal, wie jemand, der das Verhalten von Menschen studierte, sagte, dass 90 bis 95 Prozent der Gedanken, die wir an einem Tag denken, genau dieselben sind, die wir am Tag zuvor gedacht haben. Natürlich sind einige der Gedanken gut und nützlich. Und ich merke auch immer, dass ich mich gesegnet fühle, wenn Liebe zu Gott und Seiner Schöpfung sich in mir wiederholt. Es ist die Wiederholung von Ängsten, Groll und Selbstvorwürfen, die nicht gut ist. Die Menschen bringen sich selbst manchmal in eine „mentale Endlosschleife“, wo sie immer dieselben hinderlichen Gedanken denken – unter Umständen sogar jahrelang. In diesem Zusammenhang sprach Mary Baker Eddy einmal über das menschliche Gemüt, das mechanisch handelt. Aber sie stellte fest: „Wenn der Mechanismus des menschlichen Gemüts dem göttlichen GEMÜT Raum gibt, werden Selbstsucht und Sünde, Krankheit und Tod ihren Halt verlieren.“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 176)
Es ist eigenartig, wie diese mechanischen, gewohnheitsmäßigen Gedanken sich uns darstellen. Sie kommen in Worten und Gefühlen, die uns immer wieder glauben machen wollen, dass wir vom Guten getrennt seien. Normalerweise sind diese Gedanken nach innen gerichtet und enthalten viel „ich, „mir“ und „mein“. Und sie können in vielen Bereichen unseres Lebens auftauchen. Zum Beispiel könnte jemand ein persönliches Gefühl von Mangel haben, das er mit sich herumschleppt und mit dem er sich identifiziert, – sei es nun ein Mangel an Gelegenheiten, an Freundschaften, an Sehschärfe oder an Geld.
Als ich noch ziemlich jung war, erlebte meine Familie oft Geldmangel. Viele Male hörte ich, wie sich meine Eltern darüber unterhielten, wie nahe wir am Bankrott standen. Später kam ich in meine eigene „mentale Endlosschleife“, wo ich erwartete, nicht genug Geld für die Dinge zu haben, die ich brauchte. Sogar nach Abschluss meines Studiums hatte ich das Gefühl, dass Verarmung mein Lebensweg war. Ich dachte darüber nach, erwartete es automatisch und erlebte – kein Wunder – genau das.
Dieses Problem des gewohnheitsmäßigen Denkens gründete sich auf die Ansicht, dass es einfach nicht genug Gutes für alle gibt. Oftmals dachte ich bei mir selber: „Ich glaube nicht, dass es möglich ist, aber ich hoffe, dass ich eines Tages genug Geld haben werde, damit ich endlich keine Angst mehr zu haben brauche. (Ganz offensichtlich eine dieser negativen „Ich, mir und mein“-Erklärungen). Die Umstände meines Lebens änderten sich, als ich heiratete, aber mein gewohnheitsmäßiges Denken über die Finanzen änderte sich nicht.
Schließlich wurde mir jedoch klar, dass es Zeit wurde, mit dem Singen eines neuen Liedes zu beginnen. Ich erkannte klarer, dass Gott das unendliche Gute ist. Und da Gott immer gegenwärtig ist, mussten genug Liebe und Gutes für alle da sein. Ich habe mir dies schließlich tief im Innern eingestanden. Von da an ersetzte ich die immer wiederkehrenden Gedanken an finanzielle Engpässe mit einer Fülle von geistigen Wahrheitsgedanken – mit der Wahrheit, die die ganze Schöpfung regiert, mich eingeschlossen. Und das änderte alles. Ich fühlte immer mehr Gottes unbegrenzte Segnungen und hatte die Versorgung, die ich brauchte.
Das ist nur ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, auf unsere Gedanken aufzupassen, besonders die, die so unbewusst mechanisch sind, dass man manchmal gar nicht merkt, dass man sie denkt. Es lohnt sich darüber zu wachen, dass die Gedanken, die man heute denkt, nicht in den bedrückenden Gedanken von gestern verankert sind. Wenn wir unser Denken mit sich wiederholenden Erwartungen von Leiden oder Bösem irgendwelcher Art vermischen, dann geht uns göttlicher Segen verloren.
Um unsere Denkmuster zu ändern, können wir uns einige aufschlussreiche Worte aus der Bibel zu Herzen nehmen. Der Psalmist sang: „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (Ps 98:1). Die „alten Lieder“ – Gedanken und Gefühle über uns selber, die Verlust, Krankheit, Opferdenken oder irgendwelche anderen Ärgernisse herausstellen – können aus jedermanns mentalem Liederbuch herausgerissen werden. Wir können unreflektierte, spontane Denkmuster abbrechen und für ein neues Lied bereit sein, das sich auf den Reichtum von Dankbarkeit gründet – Dankbarkeit für all das, was Gott ist und wie er uns erschaffen hat. Dies ist ein fortschrittliches Lied, das wert ist oft gesungen zu werden.
Welches sind denn einige der ersten Schritte, wenn man ein neues Lied singen möchte? Einer könnte darin bestehen, Gott wissen zu lassen, dass man tatsächlich bereit ist, solche immer wiederkehrenden Gedanken loszulassen. Schreiben Sie einen nieder – einfach um ihn bloßzustellen. Dann können Sie ihn in Dankbarkeit und Sanftmut vollständig loslassen. Lauschen Sie still in Ihrem Herzen auf das, was Gott möchte, das Sie stattdessen denken sollen. Erhalten Sie sich dabei eine empfängliche und selbstlose Einstellung. Wenn Sie Gottes Worte hören, werden Sie Liebe und Frieden empfinden –und dadurch werden Sie wissen, dass Ihr neuer Gedanke von Gott kommt. Schreiben Sie nun diese Botschaft auf. Tragen Sie sie mit sich und lassen Sie in Demut zu, dass sie die alten begrenzten Ansichten ersetzt. Sie werden sehen, wie gewinnbringend es ist, sich von den alten Mustern abzuwenden und stattdessen „dem Herrn die Ehre seines Namens“ (Ps 29:2) darzubringen.
Wann immer wir den Reichtum der Dankbarkeit für Gott ausdrücken, singen wir heilende Lieder. „Selig sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“, riet Jesus (Mt 5:8). Und das ist es, worum es schließlich geht. In unseren neuen Liedern werden unsere Gedanken zu reinen Widerspiegelungen Gottes. Wir sind keine Opfer, sondern die gesegneten Kinder unseres Vater-Mutter, vollständig und gesund, und wir drücken die Güte der Göttlichkeit aus.
Hören Sie die neue Musik? Sie ist wunderschön – heilend und erlösend.
Mark Swinney ist Praktiker und Lehrer der Christlichen Wissenschaft. Er lebt in Albuquerque, New Mexico, USA.


