Gail Menschel
Die Menschheit sehnt sich nach Gesundheit. Mary Baker Eddy machte die Feststellung, dass das sterbliche Gemüt nach dem verlangt, was das unsterbliche GEMÜT allein gewähren kann“ (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 365). Über den Wunsch nach körperlicher Gesundheit hinaus besteht ein noch größeres Bedürfnis nach der tiefen geistigen Erneuerung, die vollständige Heilung mit sich bringt – das Bedürfnis nach der umwandelnden Berührung des Christus.
Es ist kein Wunder, dass das dem Christus-Heilen entgegengesetzte Denken – der sogenannte tierische Magnetismus – die Anerkennung der durch christlich-wissenschaftliche Behandlung verfügbaren Hilfe verhindern möchte. Der tierische Magnetismus versucht die Menschheit im Bann des Glaubens zu halten, dass Materie und materielle Medizin die Welt ausmachen. Diese irrige Weltsicht weist den Wert und Nutzen der Medizin des göttlichen Gemüts zurück.
Doch der geistige Wert wissenschaftlichen Gebets ist unschätzbar. Christlich-wissenschaftliche Behandlung bringt unsere unbegrenzte, strahlend geistige Individualität ans Licht, anstatt uns in den Vorstellungen der endlichen Sterblichkeit befangen zu halten. Christlich-wissenschaftliche Behandlung reinigt unser Bewusstsein, normalisiert und bringt alle Aspekte unserer Lebenserfahrungen ins Gleichgewicht, nicht nur die körperliche Gesundheit. Sie ist, wie der Apostel Paulus das Wort Gottes beschreibt, „lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens“ (Hebr 4:12). Wenn jemand durch christlich-wissenschaftliche Behandlung auch nur einen Schimmer einer solchen Umwandlung erlebt, dann weiß er im tiefsten Innern seines Seins, dass dieses Geschenk unermesslich wertvoll ist.
Es können subtile Suggestionen sein, die jemanden davon abhalten, den Wert einer christlich-wissenschaftlichen Behandlung anzuerkennen. Zum Beispiel mag es einem Praktiker, der eine heilende Behandlung gibt, widerstreben, für seine Hilfe etwas zu berechnen. Oder der Patient hat vielleicht kein Interesse daran, für die erhaltene Hilfe zu bezahlen.
Der Widerstand gegen den Wert dieser Behandlung zeigt sich auch in größerem Rahmen. So verstößt es beispielsweise in einigen Ländern gegen das Gesetz, wenn man Rechnungen für geistiges Heilen ausstellt oder sich als Heiler bezeichnet, aber kein Mediziner ist. (In diesem Fall wird man natürlich solche Gesetze befolgen, solange sie in Kraft sind). Dann gibt es in vielen Kulturen noch den tief verwurzelten Glauben, dass Gebet ein Geschenk sein sollte, und so wird das wahre Christentum einer Person angezweifelt, wenn sie für eine Behandlung durch Gebet ein Honorar verlangt. Letztlich ist da noch der aggressive Gedanke, dass die finanziellen Mittel nicht reichen, um für christlich-wissenschaftliche Behandlung zu zahlen. Diese Suggestionen implizieren, dass es unmöglich ist, als Praktiker der Christlichen Wissenschaft seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Ganz gleich, wo in der Welt wir leben, die stille und bewusste Wertschätzung der Christlichen Wissenschaft in unseren täglichen Gebeten ist sehr nötig, um diesen Suggestionen entgegenzuwirken. Solches Gebet wirkt wie ein Sauerteig, der das Denken der Menschheit ständig höher hebt, damit es die Gültigkeit und Wirksamkeit dieses göttlich inspirierten Heilsystems wahrnimmt.
Es war ein integraler Bestandteil von Mary Baker Eddys Vision für ihre Bewegung, dass die Gesellschaft den praktischen Wert der christlich-wissenschaftlichen Behandlung erkennen würde. Man könnte sagen, dass sie die Einführung dieser professionellen Tätigkeit im täglichen Wirtschaftsleben als Teil des Plans der Liebe zur Förderung der Bewegung sah. Ja sie lernte das aus ihrer eigenen Erfahrung und erklärte: „Nachdem ich vier Jahre lang nach meiner Entdeckung der Christlichen Wissenschaft keine Vergütung für meine Bemühungen und für das Heilen aller Arten von Krankheiten angenommen hatte, stand ich vor der Tatsache, dass mir keine Geldmittel geblieben waren, um einen Saal für meine Vorträge zu mieten oder um ein christlich-wissenschaftliches Heim für bedürftige Schüler zu errichten, was ich so gern getan hätte, oder auch nur, um meine eigenen laufenden Ausgaben zu bestreiten. Ich war daher gezwungen, damit aufzuhören.
Alles, was ich besaß, hatte ich in die Schatzkammer der WAHRHEIT gegeben, aber wo waren die Mittel, um eine große Sache weiterzuführen?“ (Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 214).
Ihr wurde eindeutig klar, dass die Praktiker der Christlichen Wissenschaft ein für professionelle Arbeit angemessenes Honorar berechnen sollen. Hand in Hand damit ging die feste Überzeugung, dass dieser professionellen Tätigkeit eine ungeteilte Konzentration – die Einfalt des Denken – zugrunde liegen musste. Im Jahr 1900 schrieb sie an ihre Schülerin Mary Eaton: „Unsere Kirchen sprießen spontan aus dem Boden des Heilens hervor – aber ich weiß, dass eine Heilerin all ihre Zeit braucht, damit sie ihr Bestes tun kann, um für die Patienten zu sorgen. Das Gemüt über Schmerzen, Krankheit und Tod zu erheben ist eine vereinnahmende Sache, und als ich praktizierte, konnte ich mich um nichts anderes kümmern“ (L04317, Mary Baker Eddy an Mary Eaton, 26. Oktober 1900, Mary Baker Eddy Sammlung in der Mary Baker Eddy Bibliothek).
Auf die Frage, wie Christliche Wissenschaftler für ihren Lebensunterhalt sorgen sollen, antwortete M. B. Eddy: „Man sollte von ihnen ebenwowenig wie von anderen Menschen verlangen, dass sie ihre ganze Zeit ohne Entgelt ihrer Arbeit widmen – der christlich-wissenschaftlichen Arbeit –, sodass sie für Ernährung, Kleidung und Unterkunft auf Mildtätigkeit angewiesen sind. Auch können sie nicht zwei Herren dienen, indem sie nur einen Teil ihrer Zeit GOTT widmen, und dennoch Christliche Wissenschaftler sein. Sie müssen sich ganz und gar in Seinen Dienst stellen und ,niemand etwas schuldig‘ sein. Um dazu imstande zu sein, müssen sie gegenwärtig eine angemessene Vergütung für ihre Dienste verlangen und sich dann ihren Lohn gewissenhaft verdienen, indem sie die Göttliche Wissenschaft genauestens betätigen und die Kranken heilen“ (Grundzüge der Göttlichen Wissenschaft, S. 13).
Diese an die öffentlichen Praktiker gestellte Forderung, „sich ganz und gar in Seinen Dienst“ zu stellen, wurde dann auch zu einer Richtlinie in ihrer Kirche. Im Jahre 1904 fügte Mrs. Eddy dem Kirchenhandbuch eine neue Statzungsbestimmung hinzu, die besagt, dass diejenigen, die als Heiler annoncieren, sich keinem „anderen Beruf widmen oder eine sonstige Beschäftigung haben“ sollen (S. 82). Im Christian Science Journal und im Herold annoncierende Praktiker sollten kein Einkommen aus einem anderen Beruf haben. Sicherlich sollte das niemandem zum Nachteil gereichen. Vielmehr erwartete sie, dass als Ergebnis einer hingebungsvollen Praxis und einer Kirche mit reichlicher Heilarbeit die Gesellschaft den Wert dieses Heilsystems anerkennen würde!
Diese Erwartung ließ nie nach. In den letzten Jahren ihres Lebens machte ihr Sekretär William Rathvon Mary Baker Eddy darauf aufmerksam, dass viele ihrer Schüler ihr Praktiker-Honorar in 25 Jahren nicht erhöht hätten. Er teilte ihr seine Auffassung mit, dass „die Welt nicht glaubt, dass die Christlichen Wissenschaftler selbst“ ihren Behandlungen großen Wert beimessen, „denn sie berechnen so wenig dafür“ (William Rathvon Erinnerungen, 24. Dezember 1909, Mary Baker Eddy Bibliothek). Sie antwortete mit Nachdruck und unterzeichnete noch am gleichen Tag die folgende Notiz: „Die Ausüber [Praktiker] der Christlichen Wissenschaft sollten ihre Honorare für die Behandlung denen angesehener Ärzte am Ort angleichen“ (Verschiedenes, S. 237).
Dieser Maßstab wird durch die Satzungsbestimmung über das Herabsetzen des Honorars und Wohltätigkeit ausgeglichen (siehe Kirchenhandbuch, S. 46). Ja wenn wir den vollständigen Kreis von Geben und Nehmen in der Praktiker-Patienten-Beziehung betrachten, können wir sicher sein, dass alles vom Gesetz der Liebe regiert wird und daher keinen Druck und keinen Mangel einschließt. Was auch immer die Situation sein mag, wenn die Liebe zu Gott und dem Menschen unser Beweggrund ist, findet die göttliche Liebe einen Weg, dass die Hilfe geleistet und ihr Wert anerkannt wird.
Das Honorar für den Praktiker ist einfach eine Möglichkeit, Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Und Dankbarkeit ist im Grunde eine lebensbejahende Anerkennung der Gegenwart und Macht Gottes. Für eine Welt, die nach Gesundheit sucht, ist diese Dankbarkeit ein Lichtstrahl, der anzeigt, dass das Christus-Heilen eine gegenwärtige Hilfe ist – wirksam, wertvoll und geschätzt.
Gail Menschel ist Praktikerin der Christlichen Wissenschaft und wohnt in Groton, Massachusetts, USA. Sie leitet die Anzeigenabteilung für Praktiker bei den Verzeichnis-Services des Christian Science Journal.