Von Abby Fuller
In dieser Woche handelt die Bibellektion von „Unwirklichkeit“ und das Wort „falsch“ taucht darin zehn Mal auf. Immer wieder werden wir eindringlich dazu aufgefordert, das falsche Zeugnis der materiellen Sinne durch die Wirklichkeit des geistigen Sinnes zu ersetzen. Wie Mary Baker Eddy sagt: „Wir müssen tief in die Wirklichkeit hineinschauen, statt nur den äußeren Eindruck der Dinge zu akzeptieren“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 129, Zitat 1).
Das mosaische Gesetz nahm falsche Zeugnisaussagen sehr ernst. Es gab uns das Gebot „kein falsch Zeugnis“ über unsere Mitmenschen abzulegen sogar als eines der Zehn Gebote (2. Mose 20:16; 5. Mose 5:20). Das Gesetz verlangte auch, dass Menschen, die falsche Aussagen machten, in dem Maße bestraft wurden, in dem sie gehofft hatten, dass die falsch Beschuldigten bestraft würden. Dies konnte sogar die Todesstrafe einschließen (siehe 5. Mose 19:16-19). Wissenschaft und Gesundheit ist sehr deutlich, was die Konsequenzen betrifft, wenn wir falschen Beweisen Glauben schenken: „Der Augenschein der physischen Sinne kehrt die wirkliche Wissenschaft des Seins oft um und schafft so ein Reich der Disharmonie, indem er Sünde, Krankheit und Tod scheinbare Macht zuschreibt; aber die großen Tatsachen des Lebens, richtig verstanden, besiegen diese Dreiheit der Irrtümer, widersprechen ihren falschen Zeugen und offenbaren das Himmelreich – die tatsächliche Herrschaft der Harmonie auf Erden“ (S. 122, Zitat 29).
Führen wir uns die Geschichte vom Turmbau zu Babel aus dem zweiten Abschnitt vor Augen. Die Menschen versuchten sich selbst zu erhöhen, indem sie auf materielle Beweise bauten, ohne an Gott zu denken (siehe 1. Mose, Kapitel 11, Zitat 4). Daraufhin kamen ihre Sprachen so durcheinander und wurden so seltsam, dass sie sich nicht mehr verständigen konnten. Die Geschichte spielt in Schinar, von dem man annimmt, dass es in der mesopotamischen Region zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris lag. Diese Gegend wurde als Babylon bekannt und liegt heute im Irak. Manche glauben, dass eine Zikkurat, ein babylonischer Tempelturm, den man in Südmesopotamien fand und der aus bituminöser Masse (in der Lutherbibel im 1. Mose 11:3 übersetzt mit „Erdharz“ und in der New International Version mit „Teer“) hergestellt wurde, der ursprüngliche Turm von Babel war.
Die Geschichte ist ein einem mythischen Stil verfasst, wie es auch bei den Schöpfungs- und Flutgeschichten in der Bibel (siehe 1. Mose, Kapitel 1, 2, 5-9) sowie bei denen vieler anderer Traditionen – den Chinesen, den Ureinwohnern Amerikas, den Persern, etc. – der Fall ist. Mythen versuchen zu erklären, wie die Dinge entstehen. In diesem Fall stellen sie dar, wie es gekommen sein kann, dass Menschen, die zwar sehr nah beieinander leben, trotzdem verschiedene Sprachen sprechen. Im Gesamtzusammenhang dieser Lektion symbolisiert die Geschichte vom Turmbau zu Babel, dass die (vermeintlichen) Beweise des materiellen Sinnes auch noch auf einem wackeligen Fundament errichtet sind und daher letztendlich in sich zusammenstürzen.
Zum gegenteiligen Ergebnis kommt es dann, wenn die Beweise des materiellen Sinnes als unwirklich angefochten werden. Im fünften Abschnitt bringt das Volk einen Mann zu Jesus, der „taub und stumm war“ (Mk 7:32, Zitat 14). Durch seinen Glauben an Gott wusste Jesus, dass wir fähig sind, deutlich zu hören und verständlich zu sprechen, wenn wir auf die geistigen Sinne vertrauen. Um den tauben Mann zu heilen, nahm er ihn beiseite und versuchte so, die Heilung privat und persönlich zu halten und sie nicht von der öffentlichen Aufmerksamkeit trivialisieren zu lassen. Er sprach: „Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig“ (Mk 7:34,35, Zitat 14).
Ein weiteres Beispiel ist Jakob, der mit einem Engel rang. Dies half ihm, seinen Charakter nachhaltig weiterzuentwickeln und zu verändern (siehe 1. Mose 32:24-30, Zitat 8). Vor dieser Erfahrung war Jakob selbstsüchtig und gierig gewesen. Er hatte seinen Vater angelogen und gegen seinen Bruder intrigiert, um ihm die Rechte des Erstgeborenen abzujagen. Dann mühte sich Jakob mit seinem Onkel Laban ab, um Rachel heiraten zu können, nachdem er zuvor mit einem Trick in eine Ehe mit Lea manövriert worden war. (Siehe 1. Mose, Kapitel 25, 27-33 für die ganze Geschichte.) Der Bibeltext gibt an, dass Jakob allein war, aber „ein Mann“ (32:24) mit ihm rang. Diese Identifikation von Engeln, Gottes Botschaftern, die wie Menschen in Erscheinung treten, ist typisch für die hebräische Bibel. In dieser Zeit des Ringens bot Gott Jakob eine Gelegenheit, an sich zu wachsen und sich selbst anders wahrzunehmen, nicht nur als hinterhältig und feige. „Das Verneinen des materiellen Selbst hilft uns, die geistige und ewige Individualität des Menschen zu erkennen …“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 91, Zitat 11).
Obiges wird als wichtige transformierende Erfahrung gesehen, nicht nur für Jakob, sondern auch für seine Gefolgschaft, die sich selbst nach Jakobs neuem Namen „Israel“ Israeliten nannten (siehe 1. Mose 32:28). Jakob musste den Segen erkennen und es seinem Wesen erlauben, verändert zu werden, was „ihm die geistige Auffassung des Seins gab und seinen materiellen Sinn zurechtwies (Wissenschaft und Gesundheit, S. 309, Zitat 12).
Wir können Transformation erwarten, wenn wir das als falsch und unwirklich zurückweisen, was uns die materiellen Sinne präsentieren. Wenn wir einen wahrlich geistigen Sinn haben, wird sogar dem falschen Zeugnis des Todes Einhalt geboten und diese (vermeintliche) Erfahrung verändert, wie das bei Henoch der Fall war (siehe Hebräer 11:5, Zitat 2). Sünde, Krankheit und Tod, die „Dreiheit der Irrtümer“, kann vollständig überwunden werden, indem wir die Wirklichkeit des Seins durch die Christliche Wissenschaft erkennen.
Abigail Fuller hat den Master-Abschluss in Physik erworben und arbeitet an ihrem Master-Abschluss in Theologie am San Fransisco Theological Seminary. Sie lebt in San Anselmo, Kalifornien, USA.