Von Michael Hamilton
Wo ich im tieferen Mittelwesten der USA lebe, werden im September Mais, Sojabohnen und Kakaobohnen geerntet. In vergleichbaren Regionen in der südlichen Hemisphäre bringen die Bauern in diesem Monat ihre Saat aus. Der Zyklus von Pflanzen und Ernten – Säen und Reifen – ist der Leitgedanke in der Bibellektion dieser Woche mit dem Thema „Materie“. Der Goldene Text gibt den Ton an: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ (Hos 10:12) Die Worte ein Neues, die auch später in der Lektion auftauchen (Abschn. IV, Zitat 13), bedeuten unkultiviertes Land, das mit einem Pflug zum Bepflanzen umgebrochen werden kann.
Jesus benutzt in seinem Gleichnis vom Unkraut und Weizen (s. Wechselseitiges Lesen, Mt 13:24-30) ein landwirtschaftliches Dilemma, um seine Lehre darzustellen. Die seltsame Sabotage der Saat durch „einen Feind“ (Vers 28) zeigt, dass dieses kein gewöhnliches Feld ist. Die Werkzeuge des Bauern sind nicht sein Pflug und seine Hacke, sondern seine praktische geistige Erkenntnis, die die Saat rettet und das Unkraut vernichtet. Wissenschaft und Gesundheit erklärt: „Der Same der Wahrheit und der Same des Irrtums, des Glaubens und des Verständnisses – ja, der Same des Geistes und der Same der Materie – sind der Weizen und das Unkraut, die die Zeit voneinander trennen wird, damit das eine verbrannt und der andere in himmlische Scheunen gesammelt werde“ (S.535, Zitat 1). Paulus schreibt in die Galater: „Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten“ (6:7, 8, Zitat 4).
In den Sprüchen wird das Gleiche festgestellt: „Der Gottlosen Arbeit bringt trügerischen Gewinn; aber wer Gerechtigkeit sät, hat sicheren Lohn“ (11:18, Zitat 9). Dieser Vers und die Bibelpassage aus den Psalmen, die in Abschnitt III folgt, vertieft den Anspruch auf Wachsamkeit und die sicheren Belohnungen des Vertrauens auf Gott. Ein Beispiel aus dem Alten Testament (Abschn. IV) und aus den Evangelien ( Abschn. V) zeigen, schlußfolgernd in Wissenschaft und Gesundheit, was das praktisch bedeutet: „Wenn wir weise und gesund sein wollen, dürfen wir der Materie nicht immer mehr, sondern immer weniger Intelligenz zugestehen“ (S. 62, Zitat 20).
Das erste Beispiel stellt sich als die längste Passage in der Lektion heraus. Sie erzählt von den jungen Juden, die sich weigern, vom Tisch des Königs zu essen (s. Dan, Kap.1, Zitat 15). Diese Geschichte, die das Buch Daniel eröffnet, findet in Babylon nach der Eroberung Judäas 587 v. Chr. statt. Viele Hebräer wurden als Gefangene in die Hauptstadt der Eroberer gebracht und vier der vielversprechendsten Jungen wurden in ein Trainingsprogramm gestellt, um zusammen mit anderen Jugendlichen am Hof ihres Eroberers zu dienen. Die hebräischen Jungen wurden mit ihren gewöhnlichen Namen vorgestellt: Daniel, Hananja, Mischael und Asarja – obwohl die letzteren drei uns besser bekannt sind unter den Namen, die die Babylonier ihnen gaben: Shadrach, Meshach und Abednego. Obwohl sie in einem fremden Land sind, vielleicht sogar als Geiseln, bleiben die vier jungen Männer dem einen Gott treu und weigern sich, etwas zu essen, das nach dem jüdischen Gesetz verboten war. Ihre Treue zu Gott wird belohnt: Die Geschichte betont, dass ihre Treue sie nicht behindert, sondern ihnen geholfen hat. Sogar ihre „Leibwächter“ unterstützen schließlich die Einstellung der Hebräer zu Gott. Alle ernten einen Lohn.
Das zweite Beispiel ist die durch Jesus bewirkte Heilung eines Sohnes, der mondsüchtig ist und schwer leidend (Mt 17:5, Zitat 18). Die Bezeichnung „mondsüchtig“ taucht nur zweimal im Neuen Testament auf, beide Male im Matthäusevangelium, und weist auf den generellen Glauben hin, dass die besagten Krankheiten sich mit den Mondphasen, „Luna“, verschlimmern. Der „Unglaube“ unter seinen Jüngern, auf den Jesus hinwies, ist die Übersetzung des griechischen Wortes apistia, das auch bedeutet „1. Untreue, Treulosigkeit (von Personen, die Vertrauen missbrauchen) …; 2. Wunsch nach Treue … dargestellt in zurückhaltendem Glauben an die göttliche Kraft … im Zusammenhang betrachtet, Schwäche an Treue (Strong's Exhaustive Concordance, freie Übersetzung). Wissenschaft und Gesundheit erklärt: „Wenn es uns gelingt, mehr Glauben an die Wahrheit des Seins als an den Irrtum zu haben, mehr Glauben an Geist als an Materie, mehr Glauben an Leben als an Sterben, mehr Glauben an Gott als an den Menschen, dann können uns keine materiellen Voraussetzungen daran hindern, die Kranken zu heilen und Irrtum zu zerstören (S. 368, Zitat 22).
Zum Abschluss der Lektion in Abschnitt VI benutzt jedes der Bibelzitate Bezeichnungen aus der Landwirtschaft: Ernte, Sämann, Saat, Erntearbeiter, vielfältiger Ertrag, Bereicherung, Großzügigkeit, Danksagung. Der Ablauf der Kultivierung, die intensive Arbeit, die festliche Stimmung, die die Ernte umgibt, und die Dankbarkeit für Belohnung kennzeichnen die Beziehung von Gott zu Mann und Frau. Diese Ernte ist geistig und ihre Belohnung segnet jeden.
Michael Hamilton unterrichtet Religion am Principia College in Elsah, Illinois, USA.