Von Brian Hall
Versuchen wir auf zeitlichen, materiellen Wegen, Gott zu verstehen, oder tun wir es auf geistige Weise, indem wir einen höheren Weg wählen? Die Bibellektion für diese Woche mit dem Thema „Geist“ lehrt uns, Geist besser zu verstehen und zu erkennen, welche Segnungen dieses Verständnis uns bringt. Der Goldene Text stellt klar, dass wir uns dem Geist zuwenden sollen, denn „der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze“ (Joh 6:63).
Im Wechselseitigen Lesen gibt der Apostel Paulus in seiner Botschaft an die Korinther den Goldenen Text wieder. In seiner Lehre und seinem Rat an die Gemeinde in Korinth erinnert er sie daran, wie er sie unterwiesen hatte, als er zuvor bei ihnen war. Er hatte nicht versucht, sie mit großen Worten oder zündender Rede zu beeindrucken. Hätte er das getan, dann wären sie versucht gewesen, Paulus, dem Mann, zu folgen und an ihn zu glauben, anstatt Gott. Er predigte zu ihnen in „Erweisung des Geistes und der Kraft“ (1. Kor 2:4), um ihren Glauben auf Gott zu lenken.
Dieses Konzept, dass Geist Gott darstellt, war nicht neu in seiner Lehre. Paulus hatte eine gute Ausbildung in der jüdischen Tradition und dem jüdischen Gesetz (siehe Phil 3:5), also musste er engstens mit den Schöpfungsberichten in der Genesis vertraut gewesen sein. Der 1. Abschnitt in der Lektion enthält folgende Beschreibung aus dem 1. Buch Mose, Vers 2: „Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (Zitat 1). Also ist das Konzept von Geist in der Schöpfung schon seit den Anfängen der Bibel aktuell.
Wissenschaft und Gesundheit gibt uns einen Einblick in die Vorstellung, welche Rolle der Geist in der Schöpfung spielt. Es definiert den Schöpfer zuerst als Geist, dann als Gemüt (S. 583, Zitat 4). Diese Definition deutet darauf hin, dass die Schöpfung aus Gott hervorgeht, und macht damit die gesamte Schöpfung, einschließlich Mann und Frau, zu geistigen Ideen.
Es würde dann nur Sinn ergeben, dass wir, als Teil der Schöpfung des Geistes, Gott durch den geistigen Sinn verstehen und kennen. Paulus verkündet, dass der „Geist Gottes … geistlich beurteilt werden“ muss (1. Kor 2:14, Zitat 5). In der gleichen Richtung stellt Wissenschaft und Gesundheit die Frage: „Kann die Gottheit durch die materiellen Sinne erkannt werden?“ (S. 284, Zitat 7). Die Antwort ist eindeutig klar. „Nur durch den geistigen Sinn begreift und liebt der Mensch die Gottheit“ (S. 481, Zitat 10).
In dem Maße, wie wir den geistigen Sinn entwickeln, erweitern wir unser Verständnis von Gott, Geist, und dieses Verständnis kann hier und jetzt demonstriert werden. Im 4. Abschnitt gibt uns Lukas ein Beispiel aus Jesu Leben (Lk 4:14-30, Zitat 9). Jesus kehrte „in der Kraft des Geistes“ (Vers 14) in seinen Heimatort Nazareth zurück und predigte in der Synagoge. Doch als er beanspruchte, dass er die Prophezeiung erfüllt, wurden die Anwesenden zornig und jagten ihn aus der Synagoge und aus der Stadt hinaus bis zum Abhang eines Berges, von dem sie ihn hinabstürzen wollten. Doch sein Verständnis von Gott beschützte ihn. Er konnte umkehren und mitten durch die Menge hinweggehen und den Ort unversehrt verlassen.
Wissenschaft und Gesundheit erklärt, was diejenigen, die Jesus angegriffen haben, so verärgert und zu solch extremem Verhalten veranlasst haben konnte: „[Jesu] Geistigkeit trennte ihn von der Sinnlichkeit und veranlasste den selbstsüchtigen Materialisten dazu, ihn zu hassen; … Seine Ziele lagen weit entfernt von ihren. Sein Meister war Geist; ihr Meister war die Materie“ (S. 51-52, Zitat 17). Wir sehen die Fürsorge, die Jesu Meister ihm bot: Sicherheit und Schutz vor unmittelbarer Gefahr.
Nach diesem Vorfall fährt Lukas in seinem Bericht fort und bringt ein Beispiel von Jesu Heilungswerk (5. Abschnitt). In Kapernaum begegnete Jesus einem Mann, der „von einem unreinen Geist“ besessen war (Lk 4:33, Zitat 11). Jesus heilte den Mann, indem er diesen unreinen Geist bedrohte.
Hier ist eine interessante Anmerkung zu dem griechischen Wort für unrein (akathantos): Es wird verschiedene Male zusammen mit dem Wort für Geist (pneuma) in den Evangelien gebraucht, um einen Besessenen oder Teufel zu bezeichnen. Doch das Wort unrein weist auch auf etwas hin, was vermieden werden oder von dem man sich fernhalten sollte, damit man sich nicht selbst verunreinigt. Wenn diese Bedeutung vielleicht auch nicht vom Verfasser des Evangeliums beabsichtigt war, scheint sie doch hier zuzutreffen. Dieser Mann war wahrscheinlich von den Leuten gemieden worden aus Furcht, dass auch sie besessen werden könnten. Jesus jedoch mied ihn nicht! Er heilte diesen Mann, indem er die Einheit und Macht des Geistes bewies. Wissenschaft und Gesundheit erklärt: „Wenn Geist oder die Macht der göttlichen Liebe für die Wahrheit zeugt, dann ist dies das Ultimatum, der wissenschaftliche Weg, und die Heilung erfolgt augenblicklich“ (S. 411, Zitat 26). Jesus zeigte gewiss, dass dies wahr war.
Wenn wir vertrauter werden mit Gott als Geist, finden wir, dass wir beschützt sind ? um zu heilen wie auch um geheilt zu werden.
Brian Hall hat einen Mastergrad in Theologie und ist Militärgeistlicher in der US-Armee.