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Entdeckung - Inspiration - Heilung

Gott ist Liebe

Im Mittelalter, als der größte Teil der westlichen Welt den Monotheismus praktizierte, war doch die Frage, ob Gott existiert, immer noch da. So begannen die das Sein betreffenden Argumente für die Existenz von Gott, angefangen mit der Erklärung des Anselm von Canterbury (1033-1109). In der alten Welt ging es nicht darum, ob Gott existiert oder nicht, sondern welcher Gott angebetet werden sollte.

Die Bibellektion dieser Woche mit dem Titel „Liebe“ gibt eine Antwort auf die beiden Fragen „Welchen Gott beten wir an?“ und „Wie wissen wir, dass Gott existiert?“

Die zweite Frage wird begleitet von Passagen aus dem 1. Brief des Johannes, die die Lektion einrahmen. Eine der wundervollsten poetischen Schriften in dieser Epistel kann teilweise im Wechselseitigen Lesen gefunden werden. Kapitel 4, Vers 12, erklärt, dass wir, obwohl wir sicherlich Gott nicht sehen können, doch die konkrete Verkörperung der Güte Gottes in jedem anderen erkennen, wenn wir so lieben wie Gott liebt: „Niemand hat jemals Gott gesehen. Aber wenn wir einander lieben, lebt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollkommen zum Ausdruck gebracht“ (New Living Translation).

In Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift gibt Mary Baker Eddy Liebe als einen der alternativen Namen für Gott an. Und es scheint, als hätten ihr Studium der Bibelgeschichten und ihre eigenen Erfahrungen des Lebens sie zu der Erklärung geführt, „Gott ist das, was die Heilige Schrift von Ihm verkündet — Leben, Wahrheit, Liebe.“ (S. 330, Zitat 1)

Gott durch Liebe zu erkennen ist die grundlegende Theologie sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments. Das klassische und oft wiederholte Thema im Alten Testament ist die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, dargelegt im 2. Buch Mose (Exodus). Das 5. Buch Mose (Deuteronomium) erinnert die Israeliten daran, dass sie aus dem „eisernen Ofen“ Ägyptens befreit wurden. Dieser Ofen stellt die heiße, schwere Arbeit dar, die sie als Sklaven des Pharao aushalten mussten. Aber es stellt auch den bedrückenden Weg des Lebens einer Kultur dar, die materielle Dinge schätzt, Götzen, Bilder von Göttern, geschaffen in eisernen Öfen. Der Autor erinnert Israel daran, den Gott zu wählen, der sie befreit hat: „So sollst du nun heute wissen und zu Herzen nehmen, dass der HERR Gott ist oben im Himmel und unten auf Erden und sonst keiner“ (5. Mose 4:35-39, Zitat 10).

Unter dem Gesetz des Gottes von Israel ist niemand vernachlässigt oder versklavt. Im Alten Testament werden Gottes Liebe und Gerechtigkeit oft beschrieben als das, was die Gäste, die Waisen und Witwen – manchmal bezeichnet als das „Opfer-Trio“ – erhebt. Wie der Psalmist schrieb: „Der Herr beschützt die Fremden unter uns. Er sorgt für die Waisen und Witwen“ (Ps 146:9, New Living Translation, Zitat 6).

Die Bibel gibt die Anweisung, dass die Gemeinde Gottes Gesetz widerspiegelt und auch für dieses Opfer-Trio sorgt, gerade so wie Gott für sie sorgt (z. B. 5. Buch Mose 14:29; 16:11; 24:17-22). Wissenschaft und Gesundheit erklärt, dass „die Macht Gottes … den Gefangenen Befreiung [bringt]. Keine Macht kann der göttlichen Liebe widerstehen“ (S. 224, Zitat 13).

Der Prophet Jesaja erinnert die Israeliten daran, dass sie als Volk durch Gottes Liebe gerettet wurden. In diesem Teil des Buches von Jesaja, geschrieben nach dem Exil der Babylonier und Perser, ist Gottes kennzeichnende Eigenschaft Güte, liebevolle Barmherzigkeit, oft übersetzt als Gnade (unerschütterliche Liebe), wie z. B. in der Englischen Standard Version: „Ich will der Gnade des HERRN gedenken. … und der großen Güte an dem Hause Israels, die er ihnen erwiesen hat nach seiner Barmherzigkeit und großen Gnade“ (Jes 63:7, Zitat 13).

Im gleichen Abschnitt der Lektion dieser Woche finden wir aus dem Evangelium des Johannes die Geschichte von Jesus, der den Sohn eines königlichen Hauptmannes heilt – wahrscheinlich jemand, der für Herodes Antipas arbeitete. Er war ein wohlhabender römischer Beamter, vermutlich nicht beliebt bei der arbeitenden Bauernklasse. Jesus sagte: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht.“ Diese Erklärung steht in der Mehrzahl und könnte an Jesu Zuhörer oder Leser gerichtet sein. Der Beamte glaubte, bevor er sah, dass sein Sohn geheilt war (Joh 4:46-53, Zitat 14). Wir werden ebenfalls aufgefordert, zu glauben ohne zu sehen und die Gegenwart der göttlichen Liebe anzuerkennen, so wie der Beamte es gefühlt haben muss, als Jesus gewillt war, ihm zu helfen – jemand der so gänzlich anders war als er selber.

Wenn wir zurückkehren zum 1. Brief des Johannes, so werden wir daran erinnert, dass wir Gott erkennen und erleben, weil „Gott … Liebe [ist]; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1. Joh 4:16, Zitat 22). Darauf aufbauend, erklärt Wissenschaft und Gesundheit: „‘Gott ist Liebe.‘ Mehr als das können wir nicht verlangen, höher können wir nicht schauen, weiter können wir nicht gehen“ (S. 6, Zitat 28).

Christa Kreutz ist Gastprofessorin für Religion am Principia College, Elsah, Illinois, USA.

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