Von Kathleen Collins
Die Bibellektion dieser Woche, betitelt „Das Sakrament“, ist eine Lektion in Demut. Jeder Abschnitt veranschaulicht die Demut, die notwendig ist, um Jesu Beispiel zu folgen und zu heilen, anderen zu dienen und Gott anzubeten. Wir werden aufgefordert, „an der Demut“ festzuhalten (1. Petr 5:5, Goldener Text), „Demut“ anzuziehen (Kol 3:12, Wechselseitiges Lesen), „demütig“ zu sein vor Gott (Mi 6:8, Zitat 1), uns selbst zu erniedrigen wie ein „Kind“ (Mt 18:3, 4, Zitat 3) und Demut zu empfinden (Wissenschaft und Gesundheit, S. 8, Zitat 2).
Um in Demut zu wachsen, brauchen wir die richtige Gesinnung: inniges Verlangen, ständiges Ringen, Sehnen, Wachsamkeit und Streben (WuG, S. 4, Zitat 4). Jesu Jünger mussten das herausfinden. Sie schienen weniger bescheiden, als sie Jesus mit der Frage bedrängten, wer wohl der Größte im Himmelreich sei. Seine Antwort musste sie überrascht haben: ein Kind? Es geht nicht darum, wer der Größte sein wird, sondern wer am demütigsten sein wird. Wissenschaft und Gesundheit bestätigt: „Um Demut zu beten, mit welcher Leidenschaft im Ausdruck es auch sei, bedeutet nicht immer, danach zu verlangen“ (S. 8, Zitat 2). Sich selbst gegenüber ehrlich zu sein ist unbedingt notwendig.
So wie die Jünger hatten auch die Pharisäer eine Menge über Demut zu lernen. Hatten sie die Worte des Propheten Jesaja vergessen? „Alle hoffärtigen Augen werden erniedrigt werden“, sagte er „und, die stolze Männer sind, werden sich beugen müssen“ (Jes 2:11, Zitat 6). Die Pharisäer beobachteten Jesus mit „hoffärtigen Augen“. Würde er am Sabbattag heilen? Sie kannten das Gebot, den Sabbattag zu heiligen und „keine Arbeit [zu] tun“ (siehe 2. Mose 20:8-11). Die Bibel selbst gibt sehr wenige spezifische Erklärungen, was „Arbeit“ darstellt, doch die Pharisäer hatten Jahrhunderte hindurch durch die mündliche Überlieferung des rabbinischen Gesetzes ihre eigenen Interpretationen aufgestellt. Die Evangelien deuten an, dass sie durch ihre Interpretationen den Kern des Gesetzes entfernt hatten! Jesus hat einen wassersüchtigen Mann geheilt und ein Gleichnis gegeben, das an die Pharisäer gerichtet war und folgende Lehre erteilte: „Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden“ (Lk 14, Zitat 9). In Wissenschaft und Gesundheit heißt es: „Es hätte den Stolz der Priester demütigen sollen, als sie sahen, wie die Demonstration des Christentums den Einfluss ihres toten Glaubens und ihrer toten Zeremonien weit übertraf“ (S. 228, Zitat 5).
Es war keine Zeremonie, die Jesus veranlasst hat, das Brot und den Kelch mit seinen Jüngern zu teilen (Mt 25, Zitat 11). Es war sein Wunsch, dass sie die gleiche heilende Macht, die er kannte, erleben und verstehen würden, dass „ihr Brot … tatsächlich vom Himmel herab [kam]. Es war die große Wahrheit des geistigen Seins, die die Kranken heilt und Irrtum austreibt“ (WuG, S. 33, Zitat 13). Als Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, waren sie wieder einmal erstaunt. Er, ihr Meister und Herr, wusch Füße? Doch diese Handlung enthielt noch eine andere Lektion. Er sagte: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe“ (Joh 13, Zitat 12).
Jesu ganzes Leben war ein Beispiel von Demut ? von der Krippe bis zum Kreuz. „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz“ (Phil 2:8, Zitat 14). In der griechisch-römischen Welt gab es keine entwürdigendere Strafe als die Kreuzigung. Schwerverbrecher wurden gekreuzigt, nicht Könige oder Messiasse! Doch Jesu wurde durch seine Demut erhöht: „Die Christus-Idee oder der Christus-Mensch stieg für die menschliche Anschauung durch die Kreuzigung höher und bewies damit, dass Wahrheit Herr über den Tod war“ (WuG, S. 316, Zitat 16).
In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie Jesu Nachfolger seine Botschaft vorwärtstrugen. Philippus beispielsweise war einer von sieben, die von den Aposteln für besondere Dienste gewählt wurden (siehe Apg 6:5). Seine Bereitwilligkeit, in Samarien zu predigen, war ein Zeichen für seine Demut ? die Juden hatten schon immer das Gefühl, sei seien den Samaritern überlegen, und die beiden Völker haderten für Jahrhunderte miteinander. Doch „der Engel des Herrn redete zu Philippus“ und brachte ihn nach Gaza, wo er einem empfänglichen „Mann aus Äthiopien“ das Evangelium auslegte, der sich später taufen ließ und danach „seine Straße fröhlich“ weiterzog (Apg 8, Zitat 17).
„Kommt, lasst uns anbeten und knien“ (Ps 95:6, Zitat 4). In den Zweigkirchen der Christlichen Wissenschaft wird die Gemeinde im Kommunionsgottesdienst am Sonntag gebeten, niederzuknien. Demütig verneigen sich die Christlichen Wissenschaftler „vor Christus, Wahrheit, um mehr von seinem Wiedererscheinen zu empfangen und um sich schweigend mit dem göttlichen Prinzip, Liebe, zu vereinen“ (WuG, S. 35, Zitat 22).
Jesaja sagt uns, dass „der Hohe und Erhabene“ bei denen wohnt, „die zerschlagenen und demütigen Geistes sind“ (Jes 57:15, Zitat 10). Wenn wir ein Gefühl von unserer eigenen Wichtigkeit aufgeben, gewinnen wir unsere Gemeinschaft mit Gott und finden, dass wir „Demut angezogen“ haben und mit Jesus „weder Intelligenz, Tätigkeit noch Leben getrennt von Gott“ beanspruchen (WuG, S. 136, Zitat 6). Und das ist eine demütigende Erfahrung!.
Kathleen „Kat” Collins ist christlich-wissenschaftliche Pflegerin in Godfrey, Illinois, USA, und hat einen Mastergrad in Bibelstudien.