Von Janet Clements
Wie ein goldener Faden in einem wunderschönen Wandteppich ist das Gebet des Herrn in die Bibellektion dieser Woche eingewoben. Sie hat den Titel „Gott, die einzige Ursache und der einzige Schöpfer.“ Sie zeigt, dass die acht inspirierten Zeilen des Vaterunsers zusammen mit Mary Baker Eddys geistiger Interpretation einen heilenden Trost bringen, der „sich auf alle menschlichen Bedürfnisse erstreckt“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 16, Zitat 4). Das Gebet des Herrn lehrt, dass Gott allein die Ursache und der Schöpfer von Allem ist. Jesus machte mit seinen einleitenden Worten „Darum sollt ihr so beten“ (Matthäus 6: 9-13, Wechselseitiges Lesen) klar, dass das Gebet des Herrn als Modellgebet – als Vorbild für alle anderen Gebete – verstanden werden sollte. Es fordert eine Geisteshaltung von Einigkeit und Kameradschaftlichkeit. Wir sind aufgerufen, für all die geschätzten Kinder Gottes zu beten. Es ist „uneigennützig“, denn es benutzt die Begriffe „unser“ und „uns“ und nicht „ich“ und „mein.“ Außerdem ist es in seinen Bekräftigungen und Bitten universal.
Die vier Bekräftigungen schließen ein, dass es nur einen Vater-Mutter als Schöpfer für uns alle gibt, dass die Natur Gottes göttlich ist, dass das Reich Gottes existiert und dass wir alle von einem allumfassenden und alles verursachenden göttlichen Willen geleitet werden. Darauf folgen die Bitten um Brot, Vergebung, Führung und Erlösung. Abgeschlossen wird das Gebet mit einer zusammenfassenden Bekräftigung. Man könnte sagen, dass das Gebet des Herrn die Übereinstimmung(en) des Göttlichen und Menschlichen illustriert. Schon der Goldene Text zeigt, dass Gott uns wie ein liebender Vater, eine liebende Mutter umarmt, was uns zu der Erkenntnis einlädt, dass Gott unser aller Ursprung ist.
Im dritten Abschnitt sehen wir, dass dieses Vater-Mutter-Gemüt nicht der Schöpfer von Materie ist (siehe Wissenschaft und Gesundheit, S. 257, Zitat 12). Im vierten Abschnitt wird der nährende und erhaltende Aspekt unserer Vater-Mutter weiter vertieft (siehe S. 530, Zitat 17). Und im fünften Abschnitt schließt diese Vater-Mutter die gesamte Schöpfung des Universums in die Umarmung einer weltumspannenden Familie ein.
Die Erfüllung von Gottes Willen, der auf die göttliche Ursache hinweist, wird im dritten Abschnitt aufgezeigt. Im Buch Hiob finden sich Verweise auf Sterne und ihre Konstellationen verbunden mit der Frage „Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des Orion auflösen?“ (Hiob, 38:31, Zitat 10). Das Siebengestirn, die Pleiaden, erscheinen in den Freundlichkeiten und süßen Freuden des Frühlings am Himmel und gleichen damit der wirksamen Anmut, die in jedem von uns neues Leben erweckt. Im Gegensatz dazu erscheint Orion im Winter. Der „Gürtel des Orion“ mag andeuten, dass die kalten, stürmischen Bedingungen des Winters die Hände derjenigen binden, die die Felder bestellen und durch ihre Arbeit eine friedvolle Veränderung bewirken. Wenn wir über solche Fragen nachdenken, aus welchem Blickwinkel auch immer, können wir erkennen, dass es dem allumfassenden Wirken von Gottes Gesetz gelingt, Seinen Willen im ganzen Universum in die Tat umzusetzen.
Tägliches Brot und Gnade werden im vierten Abschnitt verbunden. Das Brot steht hier nicht nur für einen Laib Brot, sondern für jede Form von Nahrung, die wir brauchen, um uns bei Kräften zu halten. Gnade wird vom elektronischen Bibel-Nachschlagewerk e-Sword als „der göttliche Einfluss auf das Herz und seine Widerspiegelung im Leben, einschließlich Dankbarkeit“ definiert. Tatsächlich nähren dieser göttliche Einfluss, diese Liebe der göttlichen Liebe, unsere Herzen und unsere Neigungen. Dadurch spiegeln wir anmutig die Fülle der Liebe wider. So sind wir mit allem versorgt, was wir „in jeder Stunde“ bis in alle Ewigkeit für unser Wohlbefinden brauchen (siehe Wissenschaft und Gesundheit, Zitat 14-17).
Ein Beispiel für die Versorgung durch die göttliche Liebe finden wir in Jesu Speisung der Fünftausend, nach der noch „zwölf Körbe voll“ übrig blieben (Matthäus 14:14-21, Zitat 15). Im Englischen wird hier das Verb remained verwendet. Laut e-Sword ist die ursprüngliche Bedeutung von remained „Überfluss verursachen“ – was genau zum Anliegen dieser Lektion passt. Sie will uns zeigen, wie Gott all Seine Kinder versorgt und sicher stellt, dass sie einen „Überfluss“ an Gutem erleben.
Der fünfte Abschnitt konzentriert sich auf Jesu Parabel zum Thema Vergebung (siehe Matthäus 18, Zitat 16). Interessant ist es, hier auf folgenden Gegensatz zu achten: Der König vergibt seinem Diener Schulden in enormer Höhe – in heutiger Währung etwa zwei Milliarden Dollar. Trotzdem will dieser Diener seinem eigenen Untergebenen nicht einmal dessen Schulden in Höhe von umgerechnet einem Dollar und 60 Cent vergeben! Eine Lehre daraus ist: Da Gott uns Unermessliches vergibt – und das für immer – sollten wir bereit sein, Ihm nachzueifern. Gott vergibt uns, weil Er uns immerzu als Sein Bild und Gleichnis sieht. Wenn wir also vergeben, haben wir die Gelegenheit, jegliche Gedanken über unsere Mitmenschen aufzugeben und beiseite zu legen, die diese nicht als Gotteskinder identifizieren.
In dem Teil des Vaterunsers, der die Lesung aus Wissenschaft und Gesundheit im fünften Abschnitt eröffnet, finden wir die Bitte, uns von allem Bösen zu erlösen. Das hebräische Wort für Böses kann als „ungerecht oder betrügerisch“ übersetzt werden – also eine gerechte Lösung verhindern, indem man das zurückhält, was wahr ist (siehe S. 17, Zitat 24). Gottes Gesetz der Gerechtigkeit befreit uns von allem Bösen, einschließlich Sünde, Krankheit und Tod, denn diese sind nicht von Gott verursacht. Auf diese Weise webt sich der goldene Faden des Vaterunsers durch die Bibellektion. Sein Glanz steht für die Wahrheit, dass allein Gott, das Gute, die einzige Ursache und der einzige Schöpfer für Alles und von Allem ist – jetzt und für immer!
Janet Clements ist Christian Science Praktikerin und Lehrerin in Chicago, Illinois, U.S.A.